Views of the exhibition «Spuren und Geschichten»

Alexandra Carambellas and Bruno Alder

Exhibition: March 11-18, 2016
Gleis 70, Hermetschloostr. 70, 8048 Zürich-Altstetten

Press Release (only in German)


By Jan Graber

«Ich bin eher ein Macher als ein Konzeptualist», sagt Bruno Alder. Wenn der Fotograf und Künstler eine Insel im Ärmelkanal umrundet, immer wieder aufs Meer hinausschaut, den Auslöser seiner analogen Hasselblad-Kamera drückt und in Langzeitbelichtungen Fotografien voller meditativer Kraft schiesst, bilden diese nur die eine Hälfte eines Werks, das der 47-Jährige ab dem 11. März im Atelierhaus Gleis 70 zeigt. «Mich interessieren Dualismen», sagt er. Es gehe ihm um das, was sich zwischen der Realität und der Fiktion abspielt – im Fall dieses Werks: zwischen dem, was der Betrachter sieht und dem, was hinter der Kamera passiert.

Als andere Hälfte des Konzepts zeigt Alder folgerichtig Selbstportraits. Allerdings handelt es sich hier nicht um herkömmliche Bilder seines Konterfeis. Alder zeigt fast mikroskopische Nahaufnahmen seiner Hand, die in ihrer Strukturiertheit eigene Landschaften erzeugen. Der Künstler nennt es «Spuren einer Geschichte». Solche Spuren hatte er auch schon in einer früheren Ausstellung festgehalten, als er Franz Kafkas Roman «Der Prozess» mit historischen Portraitfotografien umsetzte.

Spuren und alte Aufnahmen spielen auch in Alexandra Carambellas Arbeiten die zentrale Rolle. «Blindspur» heisst eine der beiden Werkserien. Die 45-jährige, in London geborene und in Zürich aufgewachsene Künstlerin schafft darin anhand sich willkürlich begegnender Objekte fiktive Momente einer Geschichte, über deren Verlauf man nur Vermutungen anstellen kann, hinter denen sich aber ein feiner Humor verbirgt. Als rein humoristisch könnten auch oberhalb des Torsos abgeschnittenen Portraits fremder Menschen der Werkserie «Siblings» betrachtet werden – doch diese Interpretation würde zu kurz greifen. «Mich faszinieren ambivalente Stimmungen und Orte, aber auch die Verfremdung des Bekannten», sagt die Künstlerin. Die mittels Lasergravur in Holz gebrannten, mystischen Fotografien werfen die Frage nach der Geschichte der Figuren und ihren Beziehungen auf.

Die Ausstellung, die vom 11. März bis 18. März im Atelier- und Werkstatthaus Gleis 70 stattfindet, dient Alder und Carambellas jedoch nicht nur zum Selbstzweck. Vermehrt fanden an der Hermetschloostrasse 70 kürzlich Ausstellungen von in der Genossenschaft beheimateter Künstler statt; in der Öffentlichkeit wird das Haus zunehmend als kreativer Hotspot wahrgenommen. Mit ihrer Ausstellung wollen Bruno Alder und Alexandra Carambellas den Ball aufnehmen und selbst zu dieser Entwicklung beitragen. Kurz: Die «Hermetschloo»-Leute sind eben Macher.